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5 min Lesedauer

50 JAHRE BMW M IN SEBRING.

Jochen Neerpasch und Brian Redman erinnern sich an den ersten BMW M Sieg in Sebring vor 50 Jahren. Im Frühjahr 1975 trat BMW Motorsport mit zwei BMW 3.0 CSL erstmals in den USA an – und gewann aus dem Stand die 12 Stunden von Sebring. 50 Jahre später kehren der damalige Teamchef Jochen Neerpasch und einer der Fahrer des Siegerfahrzeugs, Brian Redman, nach Sebring zurück und erinnern an diesen historisch so bedeutenden Sieg.

AUFBRUCH IN DIE NEUE WELT.

Bis Mitte der 1970er-Jahre glaubten viele in Nordamerika, BMW stünde für „British Motor Works“. Um das zu ändern, brach im Frühjahr 1975 ein BMW Motorsport Team, an dessen technische Finesse nur noch ihr Improvisationsgeist heranreichte, mit zwei leistungsstarken BMW 3.0 CSL in die USA auf. Trotz aller Widrigkeiten, die das fremde Land wie auch die IMSA-GT-Serie mit ihrem ungewohnten Reglement darstellten, erzielte das BMW Motorsport Team gleich im zweiten Rennen einen Sieg bei den 12 Stunden von Sebring – und machte die Marke BMW über Nacht im ganzen Land bekannt. 50 Jahre später treffen wir den damaligen Teamchef und Vorsitzenden der Geschäftsführung von BMW M, Jochen Neerpasch, und Fahrer Brian Redman auf dem Sebring International Raceway und sprechen mit ihnen über diesen rennhistorisch so entscheidenden Triumph. 

50 JAHRE SPÄTER: ZURÜCK IN SEBRING.

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ECHTE PIONIERE.

Jochen Neerpasch im 3.0 CSL in Sebring.

Jochen Neerpasch am Steuer des Siegerfahrzeugs, Sebring, 2025.

Jochen Neerpasch am Steuer des Siegerfahrzeugs, Sebring, 2025.

ECHTE PIONIERE.

Die größte Hürde war, erklärt Jochen Neerpasch, dass man gewissermaßen unerforschtes Terrain betrat. BMW of North America war zu der Zeit gerade erst im Begriff, den Betrieb aufzunehmen. Es gab noch keine lokalen Strukturen, auf die er und seine Crew zur Unterstützung hätten zugreifen können. Dennoch sollte das Team von BMW Motorsport, das noch nie einen Fuß auf amerikanischen Boden gesetzt hatte, innerhalb kürzester Zeit startbereit sein und Rennsiege nach Hause holen.  Und das in der fordernden IMSA-GT-Rennserie, mit anspruchsvollen Strecken und Rennen von Sprint bis Langstrecke! 

Jochen Neerpasch und Brian Redman in Sebring.

Jochen Neerpasch (r.) und Brian Redman mit dem Siegerfahrzeug #25 BMW 3.0 CSL in Sebring, 2025.

Jochen Neerpasch (r.) und Brian Redman mit dem Siegerfahrzeug #25 BMW 3.0 CSL in Sebring, 2025.

Dazu Jochen Neerpasch: "Das Problem war, dass wir keine Kenntnisse über die amerikanische Rennszene hatten, wodurch wir auf die Saison in Amerika unvorbereitet waren. Wir wussten nur, dass wir mit dem Porsche 911 konkurrieren konnten, da dies bereits in Europa der Fall gewesen war.

Es war sehr schwierig, weil es BMW Nordamerika damals noch nicht gab. Wir hatten kaum Unterstützung. Mit unseren elf Mechanikern und einem Ingenieur wohnten wir in derselben Wohnung. Manchmal mussten die Fahrer sogar die Lastwagen oder die Wohnmobile fahren, weil wir nicht genug Leute hatten. Es war ein Abenteuer. Wir wussten auch nie, was beim nächsten Rennen passieren würde, da wir die Strecken nicht kannten. Es war eine fantastische Zeit."

DIE COWBOYS KOMMEN.

BMW 3.0 CSL, Daytona, 1975.

BMW 3.0 CSL bei Testfahrten in Daytona, 1975.

BMW 3.0 CSL bei Testfahrten in Daytona, 1975.

DIE COWBOYS KOMMEN.

Jochen Neerpasch und seine Truppe handverlesener Techniker und Mechaniker kamen mit zwei BMW 3.0 CSL im Sperrgepäck in die USA. Die streckentaugliche Version des gleichnamigen Serienfahrzeugs war der erste je von BMW homologierte Rennwagen und hatte aus dem Stand Siege in der Europäischen Tourenwagen-Meisterschaft eingefahren. Von daher setzte man für den USA-Einsatz große Hoffnungen auf das Kraftpaket.

Eine Gruppe deutscher Motorsportjournalisten wurde eingeladen, um die Berichterstattung auf dem Heimatmarkt Deutschland zu fördern. Zum anderen aber auch aufgrund der damals komplizierten Zoll- und Einfuhrregelungen – so konnte man den einzelnen Journalisten ein Freikontingent an Ersatzteilen für die Rennfahrzeuge ins Gepäck mit aufgeben. 

Diese Art des Improvisationsgeistes wie auch die Tatsache, dass sie die ersten Bayern der Neuzeit waren, die antraten, um den Wilden Westen zu erobern, brachte dem Team schnell einen markigen Spitznamen ein: die „Cowboys“. 

GEWALTIGE HÜRDEN.

#25 BMW 3.0 CSL in der IMSA-GT, 1975.

Das Siegerfahrzeug #25 BMW 3.0 CSL in der IMSA-GT, 1975.

Das Siegerfahrzeug #25 BMW 3.0 CSL in der IMSA-GT, 1975.

GEWALTIGE HÜRDEN.

Für die IMSA-GT-Serie 1975 hatte sich BMW Motorsport alles andere als ein leichtes Starterfeld ausgesucht. Porsche hatte mit dem 911 zu der Zeit eine Siegersträhne, der amerikanische Rivale Chevrolet schickte eine ehrfurchtgebietende Corvette ins Rennen, die mehr Leistung aufbot – und mehr Lärm machte – als der 3.0 CSL von BMW Motorsport. 

Um den Anforderungen der Rennserie und vor allem der starken Konkurrenz gewachsen zu sein, brauchten die beiden 3.0 CSL mehr Power. Viel mehr Power. Daher entwickelten Neerpasch und sein Team den europäischen Tourenwagen-Meister BMW 3.0 CSL weiter zu einem Gruppe-4-Fahrzeug für die US-Rennszene und steigerten dafür auch die Leistung auf beachtliche 316 kW (430 PS).

Für das Fahrerlager verpflichtete Neerpasch einige der besten Fahrer ihrer Zeit: Tourenwagen-Meister Hans-Joachim Stuck, der amerikanische Langstreckenfahrer Sam Posey, der britische Rennveteran Brian Redman und der „Superschwede“ genannte Formel-1-Pilot Ronnie Peterson nahmen die Plätze in den Cockpits der Fahrzeuge mit den Startnummern #24 und #25 ein. Mit dem Quartett startete BMW Motorsport in die IMSA-GT beim 24-Stunden-Rennen von Daytona. Im Folgerennen in Sebring übernahm dann der Australier Allan Moffat für seinen Kollegen Peterson den Platz hinterm Lenkrad. 

Jochen Neerpasch, Brian Redman, Sebring, 2025.

Gut gelaunte Rennlegenden: Jochen Neerpasch (li.) und Brian Redman mit dem Siegerfahrzeug in Sebring, 2025.

Das erste Rennen war in Daytona, ein sehr schwieriges 24-Stunden-Rennen. Wir waren im Training wie auch im Qualifying recht gut und im Rennen, wenn ich das richtig erinnere, bis Mitternacht unter den ersten drei. Doch dann fielen beide Fahrzeuge aus, weil wir Wasser im Benzin hatten und das zu Motorproblemen führte. Das war’s dann. Trotzdem waren wir recht zufrieden, denn wir haben gemerkt, dass wir konkurrenzfähig sind.
Jochen Neerpasch

Ehemaliger Teamchef von BMW Motorsport und früherer Vorsitzende der Geschäftsführung von BMW M.

BMW 3.0 CSL. Laguna Seca.

RÜCKSCHLAG BEIM AUFTAKT.

Beim Auftaktrennen, den 24 Stunden von Daytona, im Februar 1975 zeigte das Newcomer-Team der „Cowboys“, dass der BMW 3.0 CSL in der Tat ein verdammt schnelles Rennfahrzeug und ihre Piloten ernst zu nehmende Konkurrenz waren. Und mit dem richtigen Treibstoff im Tank rechnete sich das Team für das nächste Rennen, die 12 Stunden von Sebring, eine echte Chance aus. Dennoch waren die Hürden nicht zu unterschätzen. Die Zustände der amerikanischen Rennstrecken galten und gelten als besondere Herausforderung, die, insbesondere damals, Mensch und Maschine alles abverlangen. 

Ich war immer der Ansicht, dass Sebring – obwohl nur 12 Stunden lang – härter ist als die 24 Stunden von Daytona und auch die 24 Stunden von Le Mans.
Brian Redman,

Rennfahrer

Jochen Neerpasch und Brian Redman.

Jochen Neerpasch (li.) und Brian Redman mit dem BMW M Hybrid V8 in Sebring, 2025.

Jochen Neerpasch (li.) und Brian Redman mit dem BMW M Hybrid V8 in Sebring, 2025.

Jochen Neerpasch:  "Wir wussten, dass der Porsche von Peter Gregg unser stärkster Konkurrent war. Und das schnellste Auto, das wir hatten, war das von Hans Stuck. Unsere Strategie war, dass Hans Stuck gegen Peter Gregg fahren sollte. Und wir baten Brian Redman, auf Nummer sicher zu gehen und das Rennen zu beenden. Das hat er auch getan."

Dazu Brian Redman: "Jochen, erinnerst du dich an das Fahrertreffen vor dem Rennen? Du sagtest: ‚Hans, ich möchte, dass du da rausgehst und die Porsches mürbe machst‘."

BMW 3.0 CSL, Sebring, 1975.

Siegerfahrzeug #25 BMW 3.0 CSL in der Boxengasse von Sebring, 1975.

GESCHICHTSSTUNDE MIT DEFEKTER LICHTMASCHINE.

Während Hans-Joachim Stuck und Sam Posey in der Startnummer #24 den führenden Porsche unerbittlich vor sich hertrieben – mit dem Ergebnis, dass beide Fahrzeuge noch vor Rennende wegen Motorschadens ausschieden –, blieb der #25 3.0 CSL, den Brian Redman und Allan Moffat knapp unter der Belastungsgrenze bis in die Nacht hinein mit einer defekten Lichtmaschine fuhren, im Rennen.

In den Morgenstunden des 30. März 1975 schrieb BMW M Motorsport Renngeschichte, als Brian Redman im #25 BMW 3.0 CSL in Sebring als Sieger über die Ziellinie schoss.

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Der CSL war wirklich ein fantastisches Auto für seine Zeit. 1976 in Daytona lief er nur auf fünf Zylindern und war schneller als der schnellste RSR Porsche. Mit 9.000 Umdrehungen auf fünf Zylindern. Unglaublich.
Brian Redman,

Rennfahrer

DIE UNAUFHALTSAMEN.

BMW 3.0 CSL, 1975.

DIE UNAUFHALTSAMEN.

Auf einen Schlag waren BMW Motorsport und die Marke BMW in den USA ein Begriff. Und dabei fingen die „Cowboys“ gerade erst an.

Im Verlauf der Saison folgten weitere Siege, zunächst in Laguna Seca und Riverside, wo das BMW Team einen Doppelsieg holte wie auch beim Re-Match in Daytona. Außerdem ein Sieg in Talladega, wo Stuck auch noch einen neuen Rundenrekord aufstellte. 

Nach Abschluss der fordernden IMSA-GT-Saison 1975 hatte das Team der Bayerischen Motoren Werke mit ihrem Motorsportmodell BMW 3.0 CSL in 13 Rennen fünf Gesamtsiege, sechs 2. und zwei 3. Plätze geholt und sage und schreibe sechs neue Rundenrekorde in der IMSA aufgestellt. Am Ende des Jahres 1975 stellte BMW in den USA zudem einen neuen Verkaufsrekord auf, der in den Folgejahren durch immer neue Bestzahlen gebrochen wurde.

Und von „British Motor Works“ sprach nie wieder jemand. 

50 JAHRE BMW NORDAMERIKA.

50 JAHRE BMW NORDAMERIKA.

Rückkehr nach Sebring 50 Jahre später mit dem BMW M Hybrid V8.

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